28.06.2012 - München/Deutschland - von Roland Schopper.
Fotos: World of Windsurfing e.V. (WOW), North.
„Wellen sind sowieso das Allercoolste“
Profil:
Geburtsdatum: 24.3.1996
Wohnort / Geburtsort: Piletillas / Las Palmas
Liebster Spot: Pozo Izquierdo, Mosca Point, Hookipa
Liebste Ausrüstung: 3,7 Hero und ein Evo 71 Twin Fin
Homespot: Pozo
Sponsoren: North Sails, Starboard, ION, Mean-Line, Club Mistral
Segelnummer: G-103
Musikrichtung: Alles Mögliche, je nach Laune
Hobbys: Windsurfen, SUPen, Wellenreiten
Ausbildung: Zur Zeit 10. Klasse und dann weiter Abitur
Größte Erfolge (ab 2010): 2010 - 2. Platz Spain Juniors (Pozo), 2. Platz Spain Juniors (Teneriffa), 2.
Platz Spain (Overall), 2011 - PWA Pozo 33rd, 2. Platz Spain Juniors (Overall), PWA Teneriffa 33rd ,
2012 – 2. Platz Circuito Canario SUP, 2. Platz Spanische Meisterschaft Cicer SUP
Moritz, Deine Eltern sind nach Gran Canaria ausgewandert, Dein Vater leitet den Club Mistral Gran Canaria (Wassersportschule). Wie, glaubst Du, unterscheidet sich das Leben auf Gran Canaria von dem in Deutschland?
Auf jeden Fall ist es hier wärmer und windiger als in Deutschland. Die Canarios sind meist viel entspannter und freundlicher, aber oft auch chaotischer. In Deutschland kommt mir alles viel sauberer und organisierter vor, die Leute aber manchmal weniger herzlich. Allerdings war ich bislang immer nur kurz in Deutschland, habe also auch nicht viele Erfahrungen.
Wie sieht bei Dir ein ganz normaler Tag aus? Was machst Du alles?
Ich stehe kurz nach sechs Uhr auf und mache mich fertig, um in die Schule zu gehen. Gegen 3 Uhr nachmittags fahre ich dann meist nach Pozo zum Trainieren, sofern es guten Wind hat. Bei Flaute muss ich warten, bis mein Papa Feierabend hat, dann suchen wir den idealen Spot um mit dem SUP ein paar Wellen zu bearbeiten, am besten bis es dunkel wird!
Danach gehe ich nach Hause, wo meine Mama meist schon etwas Leckeres zum Essen vorbereitet hat und kümmere mich danach um meine Schularbeiten. Einen Teil davon habe ich oft schon im Bus erledigt. Wenn dann noch Zeit ist, surfe ich noch ein bisschen im Web oder bearbeite Filme oder Fotos.
Kannst du uns in deinen eigenen Worten verraten, was so faszinierend am Windsurfen ist? Warum sollte man das mal ausprobiert haben?
Windsurfen ist einfach einzigartig, wenn man das erste Mal auf dem Brett steht wird man sofort vom Windsurfvirus infiziert: es ist ein einmaliges Gefühl. Das Faszinierendste am Windsurfen ist, wenn man das erste Mal gleitet, das erste Mal springt oder die erste Welle absurft… und es gibt viele erste Male. Jeden einzelnen Move kann man noch auf viele Arten verbessern, jedes Mal noch stylischer oder noch radikaler. Und Wellen sind sowieso das Allercoolste!
Wie gut bist Du in der Schule und was sind Deine Lieblingsfächer?
In der Schule bin ich eigentlich ganz gut, mein Durchschnitt ist 2,5. Lieblingsfächer gibt es keine… aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wahrscheinlich Sport.
Zum Abitur sind es noch zwei Jahre. Willst Du es machen? Was kommt danach?
Ich werde natürlich das Abi machen, das ist auch die Grundvoraussetzung dafür, dass meine Eltern mich so sehr in meinem Sport unterstützen. Am liebsten würde ich dann mal ein Jahr lang möglichst viel Reisen, die Welt ansehen und an vielen neuen Spots Wind und Wellen kennenlernen. Danach werde ich irgendwas mit Sport studieren, am liebsten hier auf der Insel oder an einem anderen guten Surfspot. Danach noch möglichst lange Windsurfen und mir vielleicht parallel was Zusätzliches aufbauen…
Was möchtest Du als professioneller Windsurfer erreichen?
Auf jeden Fall will ich noch mehr in das Wettkampfgeschehen einsteigen. Dadurch hoffe ich auch, noch mehr auf Reisen zu gehen und die besten Spots mit den schönsten Wellen zu erleben. Sehr gerne würde ich mich auch mehr in die Materialentwicklung und in Tests einbringen.
Bleibt neben dem ganzen Training und der Schule eigentlich noch Zeit für den „normalen“ Teenager-Kram? Kino, Partys, Konzerte? Eine Freundin?
Ja, fast alle meine Freunde wohnen in Pozo und Umgebung und ich übernachte regelmäßig bei ihnen. Wenn es keinen Wind hat, gehen wir ins Kino oder haben zusammen Spaß, ansonsten sind wir gemeinsam auf dem Wasser. Aber ich habe keine Freundin.
Wie steht Deine Familie zu Deinem Erfolg und Deinen Zielen als Windsurfer?
Da für meine Familie ebenfalls der Sport im Mittelpunkt steht (Mutter Reiten, Vater Windsurfen und SUP, Bruder SUP und Laufen), unterstützen sie mich in jeglicher Weise.
Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?
Hmm – schwere Frage… Auf jeden Fall werde ich sicherlich immer noch viel Spaß am Windsurfen und Stand Up Paddeln haben, sowohl beim Freesurfen als auch bei Wettkämpfen. Hoffentlich werde ich auch noch mehr Erfahrungen im Wellenreiten gemacht haben. Möglichst viel Zeit auf dem Wasser ist natürlich das Wichtigste, regelmäßig neue Spots und Leute kennenzulernen wäre auch toll. Idealerweise habe ich in 10 Jahren auch schon eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium, um nicht nur vom Windsurfen abhängig zu sein
Gab’s auf dem Wasser schon mal eine brenzlige Situation? Etwas, wobei Dir mulmig wurde?
Weil ich mich im Laufe der Jahre immer mehr an starken Wind und hohe Wellen herangetastet habe, gab es bislang diesbezüglich noch keinen brenzligen Situationen. Allerdings habe ich mir 2008 bei einem Forwardloop den Mittelfußknochen gebrochen und den Knöchel verstaucht. Zuerst habe ich es gar nicht realisiert, doch dann wurden die Schmerzen immer stärker. Das Schlimmste war, über die Steine von Pozo wieder an Land zu hoppeln. Die ersten Monate danach hatte ich beim Springen öfter noch Schmerzen und war deshalb verkrampft. Das ist aber schon lange vergessen, gottseidank!
Deinem Blog entnehmen wir, dass du auch ein ziemlich guter Stand Up Paddler bist. Verrätst Du uns Deinen liebsten SUP-Spot?
Mein Lieblingsspot sind Faro de Maspalomas auf Gran Canaria und ein Spot im Norden von Fuerte. Den Namen haben mir die Freunde, die mich dorthin mitgenommen haben, nicht verraten
Lieber Moritz, wir danken Dir vielmals für das Gespräch und wünschen Dir viel Erfolg!